Öffnet in einem neuen Tab
ca. 5 minutes Lesezeit

Das Trading-Tagebuch: warum jeder Trader eins braucht

Ohne Tagebuch handelst du nach Erinnerung, und Erinnerung ist systematisch verzerrt. Welche zwölf Spalten reichen, warum in R gerechnet wird und welche einzelne Spalte über den Wert der ganzen Auswertung entscheidet.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
September 30, 2026
Aufgeschlagenes Notizbuch mit handschriftlich geführten Trades und Chartskizzen, daneben eine Kaffeetasse. Bildtitel: Das Trading-Tagebuch.

Das Trading-Tagebuch ist der einzige Ort, an dem deine eigenen Zahlen stehen. Ohne es handelst du nach Erinnerung, und Erinnerung ist im Trading systematisch verzerrt: Gewinne bleiben haften, Verluste werden zu Pech erklärt.

Es ist kein Tagebuch im üblichen Sinn. Es ist eine Tabelle, die eine Frage beantwortet: Funktioniert das, was ich tue, oder glaube ich das nur?

Was hineingehört

Zwölf Spalten reichen. Alles darüber hinaus wird nach zwei Wochen nicht mehr gepflegt.

SpalteWarum sie nötig ist
Datum und Uhrzeitzeigt, zu welchen Tageszeiten du gut und schlecht bist
Wert und RichtungLong oder Short, getrennt auswertbar
Setupwelches deiner Regelwerke war es? Ohne das keine Auswertung
Einstieg, Stop-Loss, Zieldie drei Zahlen, die vor dem Trade feststehen
Positionsgrößebelegt, ob du dein Risiko eingehalten hast
Risiko in Prozentdie einzige Zahl, die über alle Trades gleich sein sollte
Ergebnis in RGewinn geteilt durch Risiko, macht Trades vergleichbar
Regelverstoß ja oder neindie wichtigste Spalte, siehe unten
Screenshotein Bild des Charts beim Einstieg
Warum in R gerechnet wird
R steht für das Risiko eines Trades. Ein Trade, der das Doppelte des Risikos einbringt, ist plus 2R, unabhängig davon, ob es 40 oder 400 Euro waren. Erst dadurch lassen sich Trades aus unterschiedlichen Kontogrößen und Marktphasen miteinander vergleichen. Wer in Euro rechnet, vergleicht Äpfel mit Birnen.

So sieht ein ausgefüllter Eintrag aus

Zwei Beispiele aus derselben Woche, beide mit 10.000 Euro Konto und 0,4 Prozent Risiko. Der erste Trade folgt dem Regelwerk, der zweite entsteht aus Langeweile.

SpalteTrade 1Trade 2
Datum und Uhrzeit14.10., 16:05 Uhr15.10., 21:40 Uhr
WertBitcoinEthereum
RichtungLongShort
SetupRücksetzer im Aufwärtstrendkeines
Einstieg78.0002.600
Stop-Loss75.0002.660
Ziel84.0002.540
Positionsgröße0,013 BTC0,66 ETH
Risiko in Prozent0,40,4
Ergebnis in Rplus 2,0minus 1,0
Regelverstoßneinja
ScreenshotLink zum BildLink zum Bild

Beide Zeilen kosten zusammen keine fünf Minuten. Nach hundert solcher Zeilen siehst du auf einen Blick, wie viel dich die Trades ohne Setup gekostet haben. Diese eine Zahl rechtfertigt den ganzen Aufwand.

Die Vorlage zum Kopieren

Für den Start reicht eine Tabelle in Excel, Google Sheets oder Numbers. Leg die zwölf Spalten in dieser Reihenfolge an: Datum und Uhrzeit, Wert, Richtung, Setup, Einstieg, Stop-Loss, Ziel, Positionsgröße, Risiko in Prozent, Ergebnis in R, Regelverstoß, Screenshot. Für das Setup und den Regelverstoß lohnt eine Auswahlliste, damit die Schreibweise immer gleich bleibt. Nur dann lässt sich später sauber filtern.

Das Ergebnis in R rechnest du so: Gewinn oder Verlust in Euro geteilt durch das Risiko in Euro. Ein Gewinn von 80 Euro bei 40 Euro Risiko ergibt plus 2,0 R. Eine Summenzeile unter der Spalte zeigt jederzeit, wo du stehst.

Die Spalte, die den Unterschied macht

Regelverstoß ja oder nein. Sie beantwortet die einzige Frage, die eine Auswertung überhaupt sinnvoll macht: Hast du deine Strategie getestet oder etwas anderes?

Ein Verlust nach Regeln ist ein Betriebskosten-Trade und sagt etwas über die Strategie. Ein Verlust ohne Regeln sagt nur etwas über den Tag. Wer beides in einen Topf wirft, wertet Rauschen aus.

In der Praxis ist das die unangenehmste Spalte, weil man sich selbst beim Abweichen zusieht. Genau deshalb wirkt sie.

Die Auswertung, ohne die das Ganze nichts bringt

Einmal im Monat, eine halbe Stunde, fünf Zahlen:

  • Erwartungswert in R: trägt das System?
  • Trefferquote: nur zusammen mit dem CRV aussagekräftig
  • Größter Drawdown: hättest du ihn ausgehalten?
  • Anteil der Regelverstöße: die Zahl, die du senken willst
  • Ergebnis je Setup: fast immer trägt eines die anderen

Der letzte Punkt ist der wertvollste. In den meisten Journalen stellt sich nach hundert Trades heraus, dass ein Setup profitabel ist und zwei andere das Ergebnis auffressen. Ohne die Spalte “Setup” bleibt das unsichtbar.

Tabelle, App oder Papier?

Eine Tabelle genügt für die ersten Jahre. Spezielle Journal-Programme lesen Trades automatisch von der Börse ein und nehmen dir das Abtippen ab. Setup und Regelverstoß kennt trotzdem nur du, diese beiden Spalten füllt dir keine Software aus. Papier funktioniert für den Eintrag, scheitert aber an der Auswertung. Wähl das Werkzeug, das du nach einem schlechten Tag noch öffnest.

Drei Fehler beim Führen

  • Nur Gewinner eintragen. Das Tagebuch zeigt dann ein System, das es so nie gab.
  • Erst am Wochenende nachtragen. Nach drei Tagen weißt du nicht mehr, ob es ein Setup gab oder ob du es dir hinterher zurechtlegst.
  • Zu viele Spalten. Stimmung, Schlaf, Wetter: Alles, was das Ausfüllen auf über zwei Minuten bringt, sorgt dafür, dass du in Woche drei aufhörst.

Ab wann es etwas bringt

Unter 30 Trades ist jede Auswertung Zufall. Ab rund 100 werden die Zahlen belastbar, und ab da wird das Journal vom lästigen Pflichtprogramm zum Werkzeug.

Das ist auch der Grund, warum die meisten aufhören: Die ersten sechs Wochen fühlen sich nutzlos an. Wer sie durchhält, hat danach etwas, das kein Kurs und kein Video liefern kann, nämlich Daten über sich selbst.

Fazit

Ein Trading-Tagebuch kostet zwei Minuten je Trade und eine halbe Stunde im Monat. Dafür beantwortet es Fragen, die sonst offen bleiben: welches Setup wirklich trägt, wie oft du von deinen Regeln abweichst und ob dein Erwartungswert positiv ist oder du es nur hoffst.

Wie du deine Strategie vorher prüfst, steht in Backtesting im Trading. Wie du aus den Zahlen dein Risiko ableitest, rechnet Risikomanagement im Trading vor.

Was gehört in ein Trading-Tagebuch?

Datum, Wert, Richtung, Setup, Einstieg, Stop-Loss, Ziel, Positionsgröße, Risiko in Prozent, Ergebnis in R, ob du gegen deine Regeln verstoßen hast, und ein Screenshot vom Einstieg.

Was bedeutet R im Trading?

R steht für das Risiko eines Trades. Plus 2R heißt, der Trade hat das Doppelte des eingesetzten Risikos eingebracht. Dadurch lassen sich Trades unabhängig von der Kontogröße vergleichen.

Reicht eine Tabelle, oder brauche ich Software?

Eine Tabelle reicht vollständig. Entscheidend ist, dass jeder Trade erfasst wird, auch die schlechten. Das Werkzeug ist zweitrangig.

Ab wie vielen Trades ist die Auswertung aussagekräftig?

Unter 30 Trades ist das Ergebnis Zufall. Ab rund 100 Trades werden Trefferquote und Erwartungswert belastbar.

Was ist die wichtigste Spalte?

Ob du gegen deine eigenen Regeln verstoßen hast. Nur regelkonforme Trades sagen etwas über die Strategie aus, alle anderen über den Tag.


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Der Handel mit Finanzinstrumenten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.

Erlerne die Kunst des Tradings
Jetzt Termin vereinbaren

Schritt für Schritt zu deiner finanziellen Freiheit!

Gespräch sichern
Du wirst da abgeholt, wo du stehst und hast 24/7 Support bei deinen nächsten Schritten. Mit eigens entwickelten Strategien bringen wir dir das nötige Wissen bei, damit du schnell und erfolgreich in Kryptowährungen investieren kannst. Du entscheidest selbst über dein Geld und worin du es investierst - du gibst dein Geld nie aus der Hand. Mit uns lernst du, Fehler zu vermeiden, bevor sie überhaupt entstehen.