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Wochenausblick KW 40: Bitcoin bricht aus, und die US-Wirtschaft läuft zu gut

Bitcoin hat die Marke gesprengt, an der er seit Ende August fünfmal gescheitert war. Bei den Altcoins ist die Gier zurück, und das ist kein gutes Zeichen.
Geschrieben von
Stefan Lanser
Veröffentlicht
September 27, 2026
Goldene Bitcoin-Münze durchbricht eine Glasbarriere, rechts die Federal Reserve. Bildtitel: Wochenausblick KW 40, Bitcoin bricht aus

Bitcoin hat am Montag die Marke durchbrochen, die seit dem 21. August fünfmal gehalten hatte, und notiert so hoch wie seit Ende Januar nicht mehr. Zwei Tage später zeigten die US-Konjunkturdaten den stärksten Aufschwung seit fünf Jahren, die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen kletterten auf den höchsten Stand seit 2007, und Gold gab deutlich nach. Diese Woche entscheidet der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag, ob die Notenbank im Oktober noch einmal nachlegt.

Zu faul zum Lesen? Die Kernpunkte auf einen Blick

  • Bitcoin hat den Deckel gesprengt und steht so hoch wie seit Ende Januar nicht mehr
  • Dahinter steckte echtes Geld, nicht nur eine Kettenreaktion bei Wetten auf fallende Kurse
  • Die US-Wirtschaft läuft besser, als es den Märkten lieb sein kann
  • Das hat einen Preis: Die US-Zinsen stehen so hoch wie zuletzt vor der Finanzkrise
  • Gold hat darunter gelitten, Aktien und Halbleiter-Papiere legten kräftig zu
  • Trump und Xi haben ein Ergebnis geliefert, unter anderem zur künstlichen Intelligenz
  • Der Hebel im Kryptomarkt wurde abgebaut, und das bei steigenden Kursen
  • Bei den Altcoins ist die Gier zurück, und genau das ist der Moment, in dem es gefährlich wird
  • Unsere Warnung aus dem letzten Ausblick hat sich bestätigt, der Token hat sich in einer Woche halbiert
  • Dazu der größte Krypto-Diebstahl des Jahres bei der Börse Bitget
Diese Woche im Fokus
Der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag, weil er der einzige Termin ist, der die Zinserwartung für die Sitzung Ende Oktober noch verschieben kann. Die Inflationszahl für die Eurozone, ebenfalls am Freitag, weil sie auf den höchsten Stand seit drei Jahren steigen soll und Präsidentin Lagarde in dieser Woche gleich dreimal spricht. Und die Quartalszahlen von Micron am Mittwochabend, weil der Speicherchip-Hersteller genau die Bauteile liefert, an denen der Ausbau der künstlichen Intelligenz gerade hängt.

Markt-Recap der Vorwoche

Die Woche begann mit einem einzigen Tag, der alles andere in den Schatten stellte.

Montag: Bitcoin bricht aus. Der Kurs sprang von 81.160 auf 86.595 USD, ein Plus von 6,7 Prozent an einem Tag, im Hoch bis 87.397 USD. Damit ist die Marke von rund 81.400 USD gefallen, an der Bitcoin seit dem 21. August fünfmal gescheitert war. Es war der höchste Stand seit Ende Januar.

Zwei Dinge liefen dabei zusammen. Zum einen wurden Wetten auf fallende Kurse im Wert von 650 bis 920 Mio. USD zwangsweise geschlossen. Wer auf einen fallenden Bitcoin gesetzt hat, muss zum Schließen seiner Position kaufen, und genau dieses Kaufen treibt den Kurs weiter nach oben. Über den gesamten Kryptomarkt lagen die Zwangsschließungen an diesem Tag bei rund 795 Mio. USD.

Zum anderen, und das ist der wichtigere Teil, kamen Rekordzuflüsse in die Bitcoin-Fonds. Allein am Montag flossen 999 Mio. USD in die US-Bitcoin-Fonds, der höchste Tageswert des Jahres. Über die gesamte Woche waren es 2,39 Mrd. USD, der beste Wert seit Oktober 2025. Damit stehen diese Fonds für das Jahr 2026 erstmals wieder im Plus.

Eine Kettenreaktion allein verpufft meistens nach zwei Tagen. Hier kam echtes Geld nach, und das ist der Unterschied.

Mittwoch: die Gegenprobe. Bitcoin fiel von 86.198 auf 84.378 USD zurück, im Tief bis 83.513. Der Auslöser kam nicht aus der Kryptowelt, sondern aus den US-Konjunkturdaten. Zum Wochenschluss stand Bitcoin bei 84.612 USD und damit 4,54 Prozent über dem Vorwochenwert.

Die Handelsspanne der Woche: Hoch 87.397 USD am Montag, Tief 80.837 USD ebenfalls am Montag in den frühen Stunden, Spanne rund 6.560 USD oder gut acht Prozent. Die alte Widerstandsmarke bei 81.400 liegt jetzt darunter. Ob sie künftig als Unterstützung trägt, ist die entscheidende Frage der kommenden Wochen.

Die US-Wirtschaft läuft zu gut

Am Mittwoch kamen die vorläufigen Stimmungsindikatoren für September, also die monatlichen Umfragen unter Einkaufsleitern in den Unternehmen. Der Sammelwert aus Industrie und Dienstleistungen stieg von 56,0 auf 58,4 und damit auf den besten Stand seit Juli 2021. Erwartet worden waren 55,2. Der Industriewert allein sprang von 53,9 auf 57,0 statt der erwarteten 53,6, der stärkste Wert seit Mai 2022. Werte über 50 bedeuten Wachstum.

Am Donnerstag legten die Verkäufe neuer Häuser nach: 684.000 statt der erwarteten 620.000, ein Plus von 6,4 Prozent gegenüber dem Vormonat und der höchste Stand seit acht Monaten. Und das bei Hypothekenzinsen, die inzwischen bei 7,45 Prozent liegen.

Für die Märkte ist das kein reines Gutzeichen. Eine Wirtschaft, die trotz der Zinserhöhung von Mitte September so läuft, liefert der Notenbank Argumente für den nächsten Schritt. Die Folgen waren sofort sichtbar:

  • Die Zinsen für zehnjährige US-Staatsanleihen stiegen auf über 5,10 Prozent, den höchsten Stand seit Juli 2007. Bei dreißigjährigen Papieren sind es 5,44 Prozent
  • Gold fiel um 2,34 Prozent auf 4.321 USD, Silber um 2,64 Prozent auf 64,80 USD. Steigende Zinsen machen zinslose Anlagen wie Gold unattraktiver, weil sichere Anleihen wieder ordentlich abwerfen

Die Aktienmärkte störte das nicht. Im Gegenteil.

Gewinner und Verlierer der Woche

Aktien liefen breit nach oben: S&P 500 plus 1,21 Prozent auf 7.743 Punkte, Nasdaq 100 plus 3,25 Prozent auf 30.608 Punkte. Am stärksten legten Halbleiter-Papiere zu, plus 5,86 Prozent, gefolgt vom Technologiebereich mit plus 3,52 Prozent. In Europa stieg der Euro Stoxx 50 um 1,07 Prozent, der DAX nur um 0,41 Prozent. In Asien legte der Nikkei 2,07 Prozent zu, der südkoreanische Kospi 2,71 Prozent.

Nvidia und Apple stehen zusammen inzwischen für 15 Prozent des gesamten S&P 500. So viel Gewicht hatten noch nie zwei Einzelwerte in diesem Index. Wer einen breiten US-Indexfonds besitzt, hält damit deutlich mehr Technologie, als es auf den ersten Blick aussieht.

Öl gab weiter nach: Brent minus 6,19 Prozent auf 97,44 USD, die zweite kräftige Minuswoche in Folge. Energie-Papiere verloren 3,53 Prozent, Versicherer 3,62 Prozent. Der Krieg im Iran läuft am 209. Tag, und Präsident Trump hat einen angebotenen siebentägigen Waffenstillstand abgelehnt. Trotzdem fällt der Ölpreis. Weniger Energiepreisdruck heißt weniger Inflationsdruck, und das ist derzeit die einzige entlastende Größe.

Trump und Xi: Es gibt ein Ergebnis

Der dreitägige Staatsbesuch von Xi Jinping in Washington endete mit acht Punkten. Zwei davon sind für Anleger relevant.

Zollsenkungen auf Waren im Wert von 30 Mrd. USD. Betroffen sind unkritische Güter: US-Ausfuhren wie Agrarprodukte, Holz und Kosmetik, chinesische Ausfuhren wie Kleingeräte, Spielzeug und Dekoration. Der bestehende Waffenstillstand im Handelsstreit wurde verlängert, und China setzt seine Ausfuhrbeschränkungen für seltene Erden weiter aus. Letzteres ist der Punkt, der für die Halbleiter-Branche zählt.

Ein Gesprächskanal zur künstlichen Intelligenz. Beide Seiten richten eine direkte Leitung für Zwischenfälle ein, die nächste Gesprächsrunde ist für November angesetzt. Die Befürchtung, dass aus dem Treffen eine Bremse für den Ausbau künstlicher Intelligenz wird, hat sich nicht bestätigt. Das erklärt, warum ausgerechnet die Halbleiter-Papiere die stärkste Woche hatten.

Die großen Streitpunkte, Technologie, kritische Rohstoffe und Marktzugang, bleiben offen. Aber beide Seiten haben gezeigt, dass sie den Konflikt verwalten wollen statt ihn zu eskalieren.

Krypto: die Zahlen hinter der Bewegung

Kacheldarstellung der Kryptomärkte in der Wochensicht mit prozentualer Veränderung je Coin, Stand 27. September 2026
Krypto-Marktübersicht in der Wochensicht, Stand 27. September 2026.
  • Marktkapitalisierung plus 4,66 Prozent auf 2,90 Bio. USD
  • Bitcoin plus 4,54 Prozent auf 84.612 USD, Ethereum plus 2,48 Prozent auf 2.688 USD
  • Altcoins plus 5,92 Prozent auf 0,88 Bio. USD
  • Der Altcoin-Index stieg von 48 auf 63 von 100 Punkten. Dieser Index misst, wie viele der größten Altcoins über einen Zeitraum besser gelaufen sind als Bitcoin. Das ist die deutlichste Verschiebung seit Monaten, auch wenn eine echte Altcoin-Phase üblicherweise erst ab 75 beginnt
  • Die offenen Positionen am Terminmarkt fielen um 17,85 Prozent auf 359,61 Mrd. USD

Die offenen Wetten am Terminmarkt sind um fast ein Fünftel geschrumpft, und das in einer Woche mit deutlich steigenden Kursen. Übersetzt heißt das: Der Hebel im System wurde massiv abgebaut. Die Bewegung kam aus echten Käufen und aus geschlossenen Gegenwetten, nicht aus neu aufgebauten Wetten auf steigende Kurse. Genau daran unterscheidet sich eine tragfähige Aufwärtsbewegung von einer, die beim ersten Gegenwind in sich zusammenfällt.

Auf der Regulierungsseite lief es in der Richtung der Vorwochen weiter: Die US-Notenbank hat Regeln für Stablecoins nach dem GENIUS Act vorgeschlagen, die Terminmarktaufsicht CFTC hat sich zur breiten Tokenisierung von Vermögenswerten geäußert. Und die dezentrale Terminbörse Hyperliquid meldete mit über sieben Mrd. USD hinterlegtem Kapital und 18 Mrd. USD offenen Positionen neue Höchststände. Die Verlagerung vom Gesetzgeber zu den Behörden, die wir seit Anfang September beobachten, geht damit in die vierte Woche.

Bei den Altcoins ist die Gier zurück

Bitcoin läuft seit Dienstag seitwärts, zwischen rund 83.500 und 85.250 USD. Gleichzeitig legen die Altcoins kräftig zu, der Altcoin-Index ist von 48 auf 63 gesprungen, und in den Top 100 stehen gleich sieben Werte mit einem Wochenplus von über 30 Prozent. Der Wochengewinner hat sich fast verdreifacht.

Das fühlt sich gut an, und genau das ist das Problem. Wenn Altcoins deutlich schneller laufen als Bitcoin, steigt regelmäßig auch die Bereitschaft, ohne genaues Hinsehen zu kaufen. Akedo ist das Lehrstück dieser Woche: plus 226 Prozent in der einen Woche, minus 48 Prozent in der nächsten, und die Gründe dafür standen vorher öffentlich in den Daten.

Wer in solchen Phasen Coins kauft, sollte sich drei Fragen stellen, bevor er auf den Knopf drückt. Erstens: Gibt es eine konkrete Nachricht, die den Anstieg erklärt, oder läuft der Wert nur mit? Zweitens: Wie viel des Angebots liegt in wenigen Wallets? Drittens: Steht in den nächsten Wochen eine Freigabe gesperrter Token an? Bei drei von den sieben Gewinnern dieser Woche lautet die Antwort auf die erste Frage ehrlich: keine erkennbare Nachricht.

Was ein ruhig gefahrenes Depot daraus macht

Kursverlauf des Investicom-Depots im Vergleich zum Halten von Bitcoin und zum monatlichen Kauf, Zeitraum bis September 2026
Das Portfolio im Vergleich zum Halten und zum Sparplan. Quelle: Coinprisma, Stand 27. September 2026.

Auf der Investicom im November 2025 haben wir unser Krypto-Portfolio vorgestellt. Seitdem sind knapp zehn Monate vergangen, und der Vergleich sagt mehr über das Thema Gier als jede Warnung:

  • Das Portfolio: plus 28,42 Prozent
  • Bitcoin einmal gekauft und liegen gelassen: minus 22,95 Prozent
  • Bitcoin per Sparplan in gleichen Raten gekauft: plus 12,31 Prozent

Alle drei Wege sind über denselben Zeitraum gerechnet, ab dem Tag des Events. Der Unterschied kommt nicht aus einem glücklichen Treffer, sondern daraus, dass in den Einbrüchen im Februar und im Juni nicht verkauft und in den Übertreibungen nicht nachgekauft wurde. Wer am Tag des Events den gesamten Betrag auf einmal in Bitcoin gesteckt hat, sitzt heute auf einem Minus von fast einem Viertel. Wer denselben Betrag über die Monate verteilt in Bitcoin gesteckt hat, steht im Plus. Gleicher Coin, gleicher Zeitraum, gleicher Kurs heute. Nur die Art des Einstiegs war eine andere.

Das nächste Portfolio-Update bekommt die Community am 7. November 2026 auf der Investicom in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz, zusammen mit dem Krypto-Playbook für 2027.

Top-Mover Krypto mit den Gründen dahinter

Liste der größten Kursgewinner und Kursverlierer unter den Kryptowährungen in der Woche vom 20. bis 27. September 2026
Die größten Gewinner und Verlierer der Woche im Kryptomarkt.

Der Gewinner der Woche: Quant (QNT) plus 190 Prozent auf 188 USD.

Dahinter steht ein echter Auftrag. The Clearing House, die von den großen US-Banken getragene Abwicklungsstelle für den Zahlungsverkehr, hat die Technik von Quant für ihre neue Initiative zu digitalem Bankgeld ausgewählt. Banken sollen darüber Einlagen in tokenisierter Form über die bestehenden Zahlungsschienen abwickeln können. 25 große US-Banken sind angeschlossen, der Start ist für das erste Halbjahr 2027 geplant. Das ist keine Ankündigung aus der Kryptobranche, sondern eine Entscheidung des amerikanischen Bankensystems.

Ein Warnzeichen gehört trotzdem dazu. Auswertungen der Blockchain-Daten deuten darauf hin, dass ein erheblicher Teil des Handelsvolumens aus Geschäften zwischen denselben Beteiligten besteht und damit kein echtes Kaufinteresse abbildet. Der Auftrag ist real. Ob die Verdreifachung des Kurses in einer Woche es auch ist, steht auf einem anderen Blatt.

Die weiteren Gewinner:

  • Sui (SUI) plus 42,1 Prozent auf 1,27 USD: die stärkste der großen Basis-Blockchains in dieser Woche, und zwar ohne eine erkennbare eigene Nachricht. Das war Umschichtung aus Bitcoin in Altcoins, kein Einzelereignis
  • Pyth Network (PYTH) plus 40,0 Prozent: ebenfalls ohne belegten eigenen Auslöser
  • NEAR Protocol (NEAR) plus 35,0 Prozent auf 5,42 USD: zweite starke Woche in Folge, nachdem NEAR in der Vorwoche eine eigene Terminhandelsplattform gestartet hatte
  • Bitcoin Cash (BCH) plus 33,9 Prozent auf 335 USD: getragen vom allgemeinen Sog, ohne eigene Nachricht
  • Ondo (ONDO) plus 31,8 Prozent auf 0,55 USD: Ondo hat am 24. September tokenisierte Wertpapierkörbe gestartet, deren Anlagestrategien vom Vermögensverwalter BlackRock stammen. Das ist bislang der direkteste Brückenschlag zwischen einem großen traditionellen Verwalter und einem Krypto-Protokoll

Und die Auflösung der Warnung aus dem letzten Ausblick:

  • Akedo (AKE) minus 48,0 Prozent auf 0,032 USD. Im letzten Wochenausblick standen an dieser Stelle zwei Zahlen: 98,82 Prozent des gesamten Angebots in den Händen der obersten 100 Wallets, und die Freigabe von 2,11 Milliarden Token im Wert von rund 127 Mio. USD am 21. September. Die Freigabe kam, und der Kurs halbierte sich in der Woche darauf. Nach plus 226 Prozent in der Vorwoche steht unter dem Strich zwar immer noch ein Plus. Wer aber nach der Rally eingestiegen ist, hat die Hälfte seines Einsatzes verloren. Genau darum lohnt sich der Blick auf Wallet-Verteilung und Freigabetermine, bevor man bei einem 200-Prozent-Gewinner kauft

Die übrigen Verlierer blieben klein: MemeCore minus 21,5 Prozent, Rain minus 10,0 Prozent, Tron minus 2,6 Prozent. Die beiden Goldmünz-Token Tether Gold und PAX Gold verloren rund zwei Prozent und bilden damit schlicht den gefallenen Goldpreis ab.

Der größte Krypto-Diebstahl des Jahres

Am Donnerstagabend zogen Angreifer 387,5 Mio. USD von der Kryptobörse Bitget ab. Sie kaperten dafür kein Wallet und knackten keinen Schlüssel, sondern übernahmen ein internes Programm der Wallet-Verwaltung und fälschten damit Transaktionsdaten. Bitgets eigenes Freigabeverfahren hielt die Aufträge für echt und schickte das Geld selbst hinaus. Die Spur führt nach Nordkorea, ein Teil der Gelder landete auf Adressen aus dem Bybit-Angriff vom Februar 2025.

Bitget hat die Auszahlungen gestoppt und will den Schaden vollständig aus dem eigenen Schutzfonds ersetzen, der laut Börse mehr als 464 Mio. USD hält. Das heißt aber auch: Dieser eine Angriff verbraucht rund 83 Prozent des Polsters. Ein Schutzfonds ist eine Zusage der Börse, keine gesetzliche Einlagensicherung wie beim Bankkonto. Wer bei Bitget Coins liegen hat, kann derzeit einzahlen und handeln, aber nicht auszahlen. Und Vorsicht bei Nachrichten, die eine schnelle Auszahlung gegen Gebühr versprechen: Nach großen Angriffen geben sich Betrüger gern als Support aus.

Und die Lehre daraus gilt über Bitget hinaus: Wer Coins auf einer Börse liegen lässt, hält einen Anspruch gegen die Börse, die Schlüssel hält sie. Für den aktiven Handel ist das nötig. Beträge, die gerade nicht gehandelt werden, gehören in eine eigene Wallet.

Kurz notiert

  • Costco hat abgeliefert. Der Mitgliederhändler meldete am Donnerstagabend 95,7 Mrd. USD Quartalsumsatz, plus 11,1 Prozent, und einen Gewinn je Aktie von 6,75 USD statt der erwarteten 6,53. Die vergleichbaren Umsätze legten um 9,4 Prozent zu, das Geschäft im Netz um 19,5 Prozent. Costco ist der ehrlichste Einzelindikator für den US-Verbraucher, und er zeigt nach oben
  • Der US-Markt öffnet sich für Perpetual Futures. Was die Entscheidung für den 62 Billionen schweren Terminhandel bedeutet, steht im Beitrag zu Perpetual Futures
  • Stablecoins und Einlagensicherung: Laut einer neuen Umfrage würden 56 Prozent der Befragten Stablecoins nutzen, wenn es dafür den gleichen Schutz gäbe wie beim Bankkonto. Die Zahlen stehen im Beitrag zur Einlagensicherung
  • Die Börsenaufsicht entschärft die Frage nach Token-Rückkäufen. Kauft ein Projekt eigene Token zurück, wird daraus in der Regel kein Wertpapiergeschäft, solange das Netzwerk bereits läuft. Anders kann es aussehen, wenn das Projekt noch im Aufbau ist und den Rückkauf als Rendite bewirbt. Rechtlich bindend ist die Auskunft nicht, sie nimmt vielen Projekten aber eine Unsicherheit
  • 84 Mio. USD bei einem Zahlungsdienst im Umfeld von Tether eingefroren. US-Staatsanwälte in Kalifornien haben Konten des Dienstleisters Capstone beschlagnahmt, der Vorwurf lautet auf Geldüberweisungen ohne Lizenz. Tether und Bitfinex bestätigen nur, Kunden der betroffenen Bank zu sein. Der Fall zeigt eine alte Schwachstelle: Der Herausgeber von USDT hält über 140 Mrd. USD in US-Staatsanleihen, tut sich bei großen Banken aber weiter schwer, ein Konto zu bekommen
  • Die EU-Bankenaufsicht will Kryptokredite unter die MiCA-Regeln stellen. Betroffen wären auch Anbieter, die ihren Kunden den Zugang zu Kreditprotokollen im dezentralen Finanzwesen vermitteln

Ausblick auf die Handelswoche

Tabelle mit den wichtigsten Wirtschaftsterminen der Woche vom 28. September bis 4. Oktober 2026, mit Erwartungswerten für die USA und Europa
Die wichtigsten Wirtschaftstermine der Woche vom 28. September bis 4. Oktober 2026.

Die Woche hat einen klaren Höhepunkt, und er liegt am Ende. Sie beginnt allerdings mit einem Risiko: Am Sonntagabend reagieren die Märkte darauf, dass Präsident Trump den von Iran angebotenen Waffenstillstand abgelehnt hat. Der Ölpreis ist zwei Wochen in Folge gefallen, weil der Markt auf Entspannung gesetzt hat. Diese Erwartung steht jetzt zur Überprüfung.

Freitag, 14:30 Uhr: der US-Arbeitsmarktbericht. Erwartet werden 98.000 neue Stellen nach 162.000 im Vormonat, die Arbeitslosenquote soll bei 4,1 Prozent bleiben, die Stundenlöhne bei plus 0,3 Prozent. Das ist der einzige Termin der Woche, der die Zinserwartung für die Notenbanksitzung am 28. Oktober noch wirklich verschieben kann. Fällt er stark aus, verfestigt sich die Erwartung eines zweiten Zinsschritts. Fällt er schwach aus, wird daraus wieder eine offene Frage. Für Bitcoin ist das nach dem Ausbruch der erste echte Belastungstest.

Mittwoch, 14:30 Uhr: die PCE-Kerninflation. Das ist das Inflationsmaß, auf das die US-Notenbank tatsächlich schaut, und nicht der bekanntere Verbraucherpreisindex. Erwartet werden 3,4 Prozent nach 3,3 Prozent. Steigend, und weiterhin deutlich über dem Ziel von zwei Prozent.

Mittwoch, 14:15 Uhr: die private Arbeitsmarktzahl. Erwartet werden 70.000 neue Stellen nach 38.000. Das ist die Vorschau auf den Freitag. Weicht sie stark vom offiziellen Wert ab, sorgt das am Freitag für zusätzliche Bewegung.

Donnerstag, 16:00 Uhr: der ISM-Industrieindex. Erwartet 55,0 nach 54,6. Nach dem Ausreißer nach oben vom vergangenen Mittwoch ist das der Bestätigungstermin. Kommt auch hier ein starker Wert, ist die Debatte über einen Oktober-Zinsschritt weitgehend entschieden.

Freitag, 11:00 Uhr: die Inflation in der Eurozone. Erwartet 3,7 Prozent nach 3,2 Prozent. Das wäre der höchste Wert seit Herbst 2023. Präsidentin Christine Lagarde spricht am Montag, am Dienstag und am Donnerstag, jeweils vor dieser Zahl. Wer wissen will, wie die Europäische Zentralbank darauf reagieren wird, hört sich diese drei Auftritte an.

Und über die ganze Woche verteilt: 22 Auftritte von Vertretern der US-Notenbank. Das ist außergewöhnlich viel. Nach einer Zinserhöhung und vor der nächsten Sitzung dienen solche Reden dazu, die Erwartung der Märkte zu steuern, ohne dass die Notenbank etwas beschließen muss. Wer in dieser Woche unerklärliche Kursbewegungen sieht, findet die Erklärung oft in einem dieser Auftritte.

Zwei Dinge, die nicht im Kalender stehen, aber wirken: In Australien wird am Dienstag eine Zinserhöhung auf 4,60 Prozent erwartet, die nächste große Industrienation, die nach oben geht. Und ab Donnerstag ist in China Goldene Woche, die Börsen dort bleiben bis zum 7. Oktober geschlossen. Weniger Handelsvolumen bedeutet, dass Bewegungen leichter größer ausfallen als sonst.

Politische und institutionelle Termine mit Krypto-Bezug

  • Die Stablecoin-Regeln der US-Notenbank. Die vorgeschlagenen Regeln nach dem GENIUS Act gehen jetzt in die Kommentierung. Für Anleger ist die spannendste Frage, ob Banken künftig selbst Stablecoins herausgeben dürfen und zu welchen Bedingungen. Die Umfrage zur Einlagensicherung aus der Vorwoche zeigt, wie groß der Markt dafür wäre
  • Die Kommentierungsfrist zum SEC-Regelwerk für Krypto-Vermögenswerte läuft noch bis zum 20. Oktober. Danach entscheidet die Börsenaufsicht, in welcher Form sie liefert. Nach dem gescheiterten Gesetz im Kongress ist das der Weg, über den die US-Regulierung derzeit tatsächlich entsteht
  • Die Tokenisierung wird zum Thema der Terminmarktaufsicht. Die CFTC hat sich in der Vorwoche erstmals ausführlich zur breiten Tokenisierung von Vermögenswerten geäußert. Zusammen mit der Öffnung für Perpetual Futures und der Ausnahmeregelung für tokenisierte Aktien ergibt das ein Muster: Innerhalb von vier Wochen haben drei US-Behörden Regeln geschaffen, an denen der Gesetzgeber gescheitert ist
  • Washington will Dollar-Stablecoins im Ausland fördern. Laut Bloomberg prüft die US-Regierung Gemeinschaftsunternehmen mit Privatfirmen, um Stablecoins in Dollar gezielt außerhalb der USA zu verbreiten. Das Kalkül dahinter ist simpel: Wer einen Dollar-Stablecoin herausgibt, muss die Reserven in US-Staatsanleihen anlegen. Mehr Stablecoins im Umlauf heißt mehr Käufer für US-Schulden und damit tendenziell niedrigere Zinsen für Washington. Bei zehnjährigen Renditen über fünf Prozent ist das kein Nebenschauplatz mehr

Earnings der Woche

Übersicht der meisterwarteten Quartalsberichte in der Woche ab dem 28. September 2026, sortiert nach Wochentagen
Die meisterwarteten Quartalsberichte der Woche ab dem 28. September 2026.

Eine ruhige Woche, mit zwei Terminen, die es in sich haben.

Micron (MU) am Mittwoch nach Börsenschluss ist der Termin der Woche. Micron baut Speicherchips, und zwar genau die Sorte, die in Rechenzentren für künstliche Intelligenz verbaut wird. Nvidia liefert die Rechenleistung, Micron liefert das Gedächtnis dazu. Die Nachfrage übersteigt seit Monaten das Angebot. Zwei Dinge zählen: der erzielte Preis je Baustein und der Ausblick auf das kommende Quartal. Der Halbleiter-Bereich hat in der Vorwoche 5,86 Prozent zugelegt und war damit die stärkste Anlagegruppe überhaupt. Enttäuscht Micron, trifft das diese Erwartung an der empfindlichsten Stelle.

Nike (NKE) am Donnerstag nach Börsenschluss ist der Gegenpol. Nike verkauft Dinge, die niemand zwingend braucht. Bei Hypothekenzinsen von 7,45 Prozent und einer Kerninflation über drei Prozent ist das der ehrlichste Test für die Kauflaune. Costco hat gezeigt, dass der US-Verbraucher beim Grundbedarf weiter kräftig ausgibt. Nike zeigt, ob das auch für alles darüber hinaus gilt.


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Der Handel mit Finanzinstrumenten ist mit erheblichen Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.

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